Ärzte – aber nicht nur Ärzte – sollen Suizidhilfe leisten dürfen!

Ärzte – aber nicht nur Ärzte – sollen Suizidhilfe leisten dürfen!

von Dr. Christian Walther (Marburg)

1. Der Umgang von Ärzten mit Suizidwünschen gehört – unter Beibehaltung unserers jetzigen rechtlichen Rahmens – in die Kompetenz der einzelnen Ärzte. §17 MBO sollte, mittel- oder langfristig, wieder verschwinden, sei es etwa durch eine neue Abstimmung auf einem Ärztetag oder aber durch ein Gerichtsurteil, welches diese Beschneidung der ärztlichen Freiheit wieder aufhebt. Eine strafrechtliche, die Freiheit der Bürger in geradezu grotesker Weise beschneidende, Neuregelung ist weder nötig noch akzeptabel.

2. Die Aussage in den „Grundsätzen der BÄK zum Umgang mit Sterbenden“, Suizidhilfe sei keine ärztliche Aufgabe, sollte bis auf weiteres als Mittelweg zwischen divergierenden Wunschpositionen bejaht und expansiv ausgedeutet werden: Es bleibt den Ärzten freigestellt, Suizidhilfe zu leisten; eine vorgeschriebene Leistung wie etwa die Behandlung einer Blinddarmentzündung oder eine Impfung ist es nicht.

3. Eine Vorschrift, die Ärzten Suizidhilfe nur bei denen erlaubt, die eine sog. infauste Prognose haben, ist abzulehnen. Damit würde indirekt allen, die einsichtsfähig und aus den verschiedensten anderen Gründen (etwa Hinweisen, die eine beginnende Demenz anzeigen; man stirbt nicht An, sondern IN Demenz!) ihr Leben vorzeitig beenden möchten, das Recht abgesprochen, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Dies aber wäre eine Ungeheuerlichkeit gegenüber der gewachsenen weltanschaulichen Vielfalt in unserer pluralistischen Gesellschaft.

4. Alternativ zu Ärzten als Suizidhelfern sind auch in unserem Lande Sterbehilfegesellschaften durchaus wünschenswert, an die man sich wenden kann, wenn kein Arzt des Vertrauens zum Suizid helfen will. Wenn die Zulassung solcher Organisationen an strenge Kriterien gebunden würde, dürfte dem auch hierzulande häufig und verständlicherweise bestehenden Unbehagen am Geschäftsgebaren solcher Organisationen die Grundlage entzogen werden.

5. Da bisher solche Sterbehilfeorganisationen in Deutschland zugelassen sind, besteht derzeit für die Bundesrepublik Bedarf an einem gesetzgeberischer Akt nur im Hinblick auf das Arzneimittelrecht. Damit Bürgerinnen und Bürger, die ihr Leben beenden möchten, sowie ärztliche und nicht-ärztliche Suizidhelfer nicht im Dunkeln oder am Rande der Legalität agieren müssen, um an tödlich wirkende Medikamente zu kommen (man denke z.B. an die Besorgung aus dem Ausland oder über das Internet), sollten Medikamente wie Natriumpentobarbital unter einschränkenden Voraussetzungen für die sichere und humane Durchführung von Suiziden verfügbar gemacht werden. Die Ausarbeitung der Kriterien, welche die Freigabe solcher Medikamente regeln, stellt eine große Herausforderung dar. Sie dürfen weder in die falschen Hände fallen, noch sollten sie den meisten Suizidwilligen vorenthalten werden, weil die Hürden extrem hoch gesetzt werden.